Wie alles anfing...

 

Nach der Beerdigung eines alteingesessenen Handwerkmeisters trafen sich im Gasthaus "Zum Neuen Löwen" eine Handvoll (Alt!)-Dietzenbacher und unterhielten sich, wie es bei solchen Anlässen schon immer üblich war, über das Geschehen in ihrer Heimatgemeinde. Das war am 7. Februar 1963. In der Runde versammelt waren Heinrich Jakob Berz, Wilhelm Haller, Johann Michael Knecht, Maria Heberer; Karl Fey und Philipp Köhler. Im Laufe des Gesprächs entwickelte sich die spontane Idee, einen Heimat- und Verschönerungsverein zu gründen, der die Aufgabe haben sollte, zu sammeln und zu bewahren, was in der damals hektischen Bauphase der Stadt verloren zu gehen drohte. Außerdem sollte der zukünftige Verein dazu beitragen, die ständig wachsende Gemeinde auch in der Zukunft lebens- und liebenswert zu erhalten.

 

Eine Woche später traf man sich wieder in besagtem Gasthaus, um den Verein nun wirklich aus der Taufe zu heben. Inzwischen waren noch mehr interessierte Bürger, u.a. auch Otto Mau und Georg Altmannsberger, hinzugekommen. Erster Vorsitzender des neugegründeten Heimatvereins wurde Heinrich Jakob Berz.

Das erste Vereinsjahrzehnt

In seinen Anfangsjahren trat der Verein mit zahlreichen Aktionen an die Öffentlichkeit. An den schönsten Stellen der Gemarkung wurden Ruhebänke aufgestellt, man beteiligte sich an der Planung für den Trimm-Dich- und den Waldlehrpfad und an der Gestaltung des “Knabenborns“. Vorträge und Ausflüge in die Umgebung gehörten schon damals, wie auch heute, zum Vereinsleben.

 

Lehrer Otto Mau, damals Vorstandsmitglied, verfasste eine Dietzenbacher Chronik und erwarb sich mit dieser Arbeit große Verdienste um die Erforschung der Ortsgeschichte.

 

Werner Raab, damals Vereinsmitglied, beteiligte sich maßgebend an den jährlichen archäologischen Ausgrabungen in der Gemarkung, die zahlreichen wertvollen Funde aus der Vor- und Frühgeschichte ans Tageslicht brachten.

 

Zur 750-Jahrfeier der Stadt im Jahre 1970 (Verleihung des Stadtrechts) konnte der Heimat- und Geschichtsverein der Öffentlichkeit ein Büchlein über Dietzenbachs Vor- und Frühgeschichte präsentieren, das Kreisbodendenkmalspfleger Klaus Ulrich verfasst hatte. Doch diesen erfreulichen Ereignissen der ersten Vereinsjahre standen auf der anderen Seite große Probleme gegenüber. Noch immer fehlten dem Verein eigene Räume, in denen die inzwischen zahlreichen historischen Gegenstände hätten untergebracht werden können, die im Laufe der Jahre mit viel Engagement zusammengetragen worden waren und die den Grundstock für ein Heimatmuseum bilden sollten. So musste die Sammlung lange Jahre in privaten Unterstellmöglichkeiten mehr schlecht als recht untergebracht werden. Daher richtete sich das Hauptinteresse des Vereins in den folgenden Jahren nun immer mehr auf die Gründung eines Heimatmuseums.

 

Zunächst sollte das Huvartsche Haus in der Bahnhofstraße zum Museum ausgebaut werden. Als es ein Opfer der damaligen Flächensanierung wurde, fiel die Wahl auf die Zehntscheuer, die aber von Hand abgetragen und nicht mehr wieder errichtet wurde.

Endlich - das Museum

Erst im Jahr 1975 ging für den Verein der lang gehegte Wunsch in Erfüllung: Die Stadt stellte ein altes Fachwerkhaus (es wurde 1765 erbaut) in der Darmstädter Straße als Museum zur Verfügung und übernahm gleichzeitig die Renovierung der Räume. Nach langer und aufwändiger Arbeit vieler Vereinsmitglieder, die die schwierige Aufgabe übernommen hatten die neuen Räume zu einem Museum einzurichten, konnte das Dietzenbacher Heimatmuseum am 25.9.1976 endlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

 

Als im selben Jahr dem Verein von der Familie Martin Schmidt eine komplette alte Schmiede überlassen wurde, stellte sich die Raumfrage erneut. Kurzerhand erwarb man eine gebrauchte Baubaracke als Anbau an das Fachwerkhaus und brachte dort besagte Schmiede und auch ein paar landwirtschaftliche Großgeräte, wie z.B. einen Erntewagen, unter. Gleichzeitig mit dem Anbau wurde auch die Außenfassade des alten Fachwerkhäuschens restauriert.

 

Die Arbeit des Heimat- und Geschichtsvereins konzentrierte sich nun auf das Museum, und schon bald waren soviel neue Spenden und Leihgaben von Ausstellungsstücken zusammengekommen, dass der Platz im Fachwerkhaus nicht mehr ausreichte. Im Jahr 1977 stellte dann die Stadt die Hälfte des ehemaligen Verwaltungspavillons neben dem Fachwerkhaus dem Heimat- und Geschichtsverein als zusätzliches Raumangebot zur Verfügung.

 

Im Jahr 1978 trat der Gründer und 1. Vorsitzende des Vereins nach 15 jähriger Tätigkeit aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Neuer gewählter Vorsitzender wurde Heinrich Steinheimer.

 

1979 ging noch ein alter Wunsch des Heimat- und Geschichtsvereins in Erfüllung: Der Trinkborn wurde wieder freigelegt und damit eine Erinnerung an das alte Dietzenbach wieder lebendig.

Die 80er Jahre bis heute . . .

Das Museum wuchs weiter und platzte bald aus allen Nähten. 1984 musste ein weiterer Ausbau des Fachwerkhauses vorgenommen werden, und auch ein Neubau stand auf dem Programm: Zwischen Baubaracke und Pavillon wurde eine große Halle errichtet, in der die vielen Großgeräte aus dem Sammlungsbereich Landwirtschaft endlich stilgerecht untergebracht werden konnten. 1987 wurde das Museum erneut räumlich erweitert, als es von der Stadt die zweite Hälfte der Verwaltungsbaracke, in der bis dahin die Stadtbücherei untergebracht worden war, zugeteilt bekam. Hier wurden verschiedene Werkstätten von Dietzenbacher Handwerkern eingerichtet.

 

Im Jahre 1998 stellte der Vorsitzende Heinrich Steinheimer nach 20 jähriger Vereinsführung sein Amt zur Verfügung. Neuer Vorsitzender wurde Werner Jünger.

 

Da der Pavillon in den letzten Jahren immer maroder wurde, entschloss sich die Stadt Dietzenbach zu einem Neubau, in dem auch die Stadtbücherei ihr Domizil haben sollte. Der Spatenstich zum Neubau erfolgte 1998. Pünktlich zum Hessentag im Jahre 2001 in Dietzenbach konnten die neuen Räumlichkeiten der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Das heutige Museum besteht jetzt aus mehreren Gebäuden und verfügt fast über 900 qm Ausstellungsfläche. Die Sammlung ist nach Themenschwerpunkten gegliedert, wobei schrittweise die Entwicklung der Geschichte des Ortes Dietzenbach illustriert wird.