Kennen Sie Dietzenbach?

Der Heimat- und Geschichtsverein veröffentlich in unregelmäßigen Abständen auf seiner Facebook-Seite unter der Rubrik "Kennen Sie Dietzenbach?" kleine Geschichten und Anekdoten rund um Legenden, das Leben und die Geschichte des kleinen Bauerndorfes.

 

Hier können Sie in die vergangen Ausgaben Einsicht nehmen.

Zerstörung, Hunger, Krankheit und Tod in Dietzenbach

Zerstörung, Hunger, Krankheit und Tod in Dietzenbach

 

Heute beschäftigen wir uns mit den Folgen von Krieg, Erbstreitigkeiten und einer Unwetterkatastrophe im 17. Und 18. Jahrhundert für die Dietzenbacher Bevölkerung.

 

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) verhielt sich zwar der Landesherr, Graf Reinhard I. von Hanau, zu dessen Besitz auch Dietzenbach gehörte, neutral, dennoch bedeutete dies keineswegs, dass Dietzenbach und der Rest der Grafschaft von Zerstörung, Hunger, Krankheit und Tod verschont blieben. Die Bevölkerung litt sehr unter Seuchen, Hungersnot und marodierenden Soldaten. Vier Jahre lang blieb das Dorf unbewohnt, nachdem 1634 die schwedischen Truppen die letzten überlebenden Dietzenbacher vertrieben hatten.

 

In der Dietzenbacher Kirchenchronik wurden die Ereignisse jener Zeit festgehalten:

 

Anno 1643

„Im Jar 1634 … seindt wir zu Dietzenbach durch … Schwitischs Kriechsvolk vertrieben worden und in vier Jaren hatt können hir niemandt wonnen. Es sindt in unser gemein damalig 75 Man gewesen. Es ist selbigen wintter die Kirchen abgebrannet worden und das ganß Dorff bis auff 16 heuser und 6 Scheunen. Es sindt in diesen 4 Jaren in unser gemein im Ehlendt und in Hungersnott 51 Man gestorben und 48 Weiber.“

 

Keine 90 Jahre später wurde Dietzenbach erneut zum Kriegsschauplatz. Über 500 Jahre regierten die Grafen von Hanau in der Grafschaft. Als im Jahre 1736 nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen Johann Reinhold III., das Geschlecht ausstarb, wurde Dietzenbach zum „Zankapfel“ im Erbstreit zwischen den beiden Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt.

 

Aufgrund des Erbvertrags von 1643 fiel der Hanau-Münzenberger Landesteil an Hessen-Kassel. Hanau-Lichtenberg fiel an Hessen-Darmstadt, wegen der Ehe der einzigen Tochter des letzten Hanauer Grafen mit dem Erbprinzen Ludwig (VIII.) von Hessen-Darmstadt. Allerdings blieb jahrzehntelang die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen zum Münzenberger oder Lichtenberger Erbteil umstritten. Erst durch die Verträge von 1762 und 1771 wurde der Erbstreit beigelegt und Dietzenbach dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zugesprochen.

 

Auch als der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-48) ausbrach, wurde Dietzenbach von den Kriegsereignissen eingeholt. Zwar kam es nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen, doch diente das Dorf als Durchzugsgebiet für französische, österreichische und ungarische Truppen.

 

Am 19. Juni 1774 suchte eine Umweltkatastrophe Dietzenbach heim. Es war ein Sturmwind, der ungefähr fünf Minuten dauerte und in Dietzenbach und Umgebung starke Verwüstungen anrichtete.

 

Aus den Dokumenten von Johann Philipp Dieffenbach geht folgendes hervor:

 

Anno 1774

Die Kirche und der Thurm ist sehr ruiniert und das Schulhauß in einem solchen Zustand versezet worden, daß es nicht mehr gebraucht werden kann, sondern neu erbauet werden muß. 36 Gebäude sind ganz eingestürzt, sehr viele abgedeckt, und überhaupt alle beschädiget.

 

Außerdem wurden fast 2000 Obstbäume vernichtet und man beklagte eine Tote.

 

Sind Sie an weiteren Informationen und Geschichten interessiert? Dann besuchen Sie unsere Website (www.heimatverein-dietzenbach.de) oder unser Museum in der Darmstädter Straße 7-11, das jeden Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr geöffnet ist.

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Dietzenbachs älteste Ansicht

Heute möchten wir uns mit einer sehr alten Karte und einem Mord in Dietzenbach beschäftigen: Zwischen 1572 und 1589 kam es zu einem Streit zwischen Hanau-Lichtenberg und Kur-Mainz. Dabei ging es um die Zuständigkeit der Landgerichte Babenhausen (Hanau) und Nieder-Roden (Mainz) bei der Aufklärung eines Mordfalls in Dietzenbach. Anlässlich der Verhandlung wurde hierzu eine einfache Planskizze angefertigt. Sie ist wohl die älteste bis jetzt bekannte Ansicht des Dorfes Dietzenbach.

 

Der Tatort, an dem der Dietzenbacher Baltasar Jörn oder Jörg von Bonifatius Windecken ermordet wurde, ist auf der Zeichnung mit einem Kreuz versehen. Wie der Plan zeigt, war damals das Dorf mit einem Wallgraben und einer Dorfhecke, der Hagk, umgeben. Auf der Nord- und auf der Ostseite befanden sich „Grabgärten“, die entlang der Straße mit einem Zaun eingefasst waren.

 

Es existierten zwei Dorfeingänge, die Niederpforte und die Oberpforte, wobei die Letztere mit einem Turm gesichert war. Vor den Eingängen befand sich jeweils ein Falltor, denn wer damals in das Dorf hineinfahren wollte, musste zunächst einen Schlagbaum und schließlich noch die eigentliche Pforte passieren.

 

Auf der Westseite, am Dorfgraben, stand ein zusätzlicher Wehrturm. Wahrscheinlich handelt es sich hier um den später mehrfach erwähnten Dietzenbacher Gefängnisturm, der erst Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Die Kirchenskizze symbolisiert eine selbständige Patronatskirche.

Sind Sie an weiteren Informationen und Geschichten interessiert? Dann besuchen Sie unsere Website (www.heimatverein-dietzenbach.de) oder unser Museum in der Darmstädter Straße 7-11, das jeden Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr geöffnet ist.

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Legenden- und Sagenwelt

Kennen Sie Dietzenbach?
Wenn wir uns heute mit der alten Legen- und Sagenwelt Dietzenbachs und seiner Gemarkung beschäftigen, so geschieht das in zweierlei Absicht. Einmal vermögen die Sagen eines Gebietes sehr wohl geschichtliche Tatsachen zu erhellen und zu bestätigen, wenn man alles ausschmückende Beiwerk fein säuberlich beiseite lässt – zum anderen soll auch die Sage im Volk lebendig bleiben und dadurch wirkliches Volksgut werden.

Das Sagengut unseres Ortes ist nach Überlieferungen und sicheren Quellen in dem Heftchen von Heinz Lenhardt „ Die Sagen des Ländleins Dreieich“, bestens aufgezeichnet und soll hier unverändert und schmucklos nacherzählt werden.


Teil 1: Der Hainborn
In der Borngasse finden wir den Trinkborn, der früher Hainborn hieß. Er ist die erste bekannte Quelle und wahrscheinlich auch der älteste Siedlungspunkt Dietzenbachs. Über Jahrhunderte hinweg war er Dorfbrunnen und beliebter Treffpunkt für die Bevölkerung. Als der Storch noch die Kinder brachte, geschah dies aus dem Trinkborn. Bis in die Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts sprudelte hier sehr geschätztes Trinkwasser und mancher Bürger führte seine Genesung nach einer Krankheit auf das Trinken aus der Quelle zurück. Von dem Brunnen, dessen Wasser auch in den heißesten und trockensten Sommer nicht versiegt, geht die Sage, dass an ihm die Heiden ihre Opfer gewaschen haben.


Teil 2: Der tote Soldat
In dem Gemarkungsteil von Dietzenbach, der „Im Rotmantel“ heißt, soll einmal ein toter Soldat gefunden worden sein. Dieser Behauptung ist der Dietzenbacher Chronist und Autor des Buches „Dietzenbacher Chronik“ Otto Mau selbst nachgegangen und machte im Kirchenbuch folgenden Eintrag von Pfarrer Joh. Phil. Dieffenbach ausfindig: „Den zwey und zwanzigsten Juli 1796 ist nach der geschwinden retirade der Kayerlichen ein… oder sogenannter Roth Mäntler in dem Käupen Feld auf dem Acker des Johann Philipp Kolben todt gefunden worden. Er hatte seine gantze Rüstung noch bei sich und fünf Blessuren, davon die schwerste ein Stich in die Brust war, und weil er schon 6 Tage in der großen Hitze gelegen und ihn Niemand mehr angreifen konnte, wurde er den drey und zwanzigsten Juli an dem Platz wo er gelegen auch begraben.“ – Die Eintragungen ist sogar von dem Unterschultheißen J.M. Krapp gegengezeichnet. Das österreichische Regiment der Rotmäntel zog 1796 hier durch und musste, wie aus der Gemeinderechnung zu ersehen ist, hier auch verpflegt werden.


Sind Sie an weiteren Informationen und Geschichten interessiert? Dann besuchen Sie doch mal unserer Website (www.heimatverein-dietzenbach.de) oder unser Museum. Wir sind für Sie jeden Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr in der Darmstädter Straße 7 - 11 zu finden.

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